ANNISOKAY
Enigmatic Smile
Ich habe ANNISOKAY vor ein paar Wochen als Vorband von EMIL BULLS erlebt, wo das Publikum sich mit einer Selbstverständlichkeit und Freunde zur Wall Of Death formierte, wie man es sonst kaum erlebt. ANNISOKAY Fans sind passioniert und versuchen genauso bei den neuen Songs, die live gespielt werden, mitzusingen - auch ohne den Text zu kennen. So wurde die Abgeh-Leidenschaft auch nicht durch die noch relativ unbekannten Stücke des zweiten Albums "Enigmatic Smile" gebremst. Das mag unter anderem auch daran liegen, dass sich die Platte vom Debüt "The Lucid Dream(er)" nicht wirklich unterscheidet.
Die Treue der Fans wird ihnen sicher sein, denn die fünf Metalcore-Rocker liefern wieder ein solides Werk mit perfektionistischem Anspruch ab. Das letzte Jahr war ein einschneidendes Jahr. Als Vorband von ESKIMO CALLBOY und SILVERSTEIN tourte das Quintett auf den großen Festivals, "Enigmatic Smile" wurde in den USA aufgenommen. Man spürt die professionellen Pinselstriche, mit denen sich Produzent Joey Sturgis (u.a. ASKING ALEXANDRIA, WE CAME AS ROMANS) und William Putney (SUICIDE SILENCE, NORTHLANE) verewigt haben. In diesem Genre stechen die Hallenser in Deutschland im Moment ganz sicher hervor. Schon beim Opener "Carry Me Away" erwartet den Hörer eine lupenreine Produktion, bei der jedes Instrument seine vorbestimmte Rolle einnimmt. Zu sagen, das würde für dieses Genre zu perfekt sein, wäre hier nicht richtig. Dave, der die Stimmbänder für die groben Töne schwingen lässt, kommt auf dem Album tausendmal besser, als live (seine aktive, kraftvolle Live-Performance natürlich ausgenommen). Die feinen Nuancen seines "Gesangs" können hier rausgehört werden und harmonieren gut mit Multitalent Christoph, der neben der Gitarre den cleanen Gesang einwandfrei beherrscht ohne poppig-weinerlich zu klingen. Seine Rolle am Mikro bereichert den ANNISOKAY-Stil ungemein. Die Symbiose beider Singstile in "Fragile Line" geht so gut auf, dass man sich ärgert, dass das so nicht auch in den anderen Songs umgesetzt wird. Die computergesteuerten Effekte sollten in Zukunft allerdings nicht (noch) reichlicher als auf dieser Platte gefeuert werden.
"Enigmatic Smile" spiegelt den jungen und aufstrebenden Metalcore Spirit wieder, jedes Lied ist aufwendig arrangiert und es gibt wenig auszusetzen. Gleichzeitig findet sich aber kein wirklicher Oberknaller auf dem Album und das ist schade. Haben die Jungs (plus Producer) sich zu sehr auf die Perfektion von Drumrythms, Basslines und Vocals konzentriert? Das kann man so nicht sagen. Aber ein Hit der vielleicht durch "einfach mal machen" entstanden wäre, ist nicht dabei. Wenn ich "Enigmatic Smile" höre, zeige ich beim Lächeln trotzdem 8 Zähne und ziehe meinen imaginären Zylinder.
Inka
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