BLIND GUARDIAN | Beyond The Red Mirror
Nuclear Blast | 11 Tracks | 71:15 Min.
BLIND GUARDIAN knüpfen mit "Beyond The Red Mirror" inhaltlich direkt an ihrem 1995er Meisterwerk "Imaginations From The Other Side" an. Sie erzählen die Geschichte des Jungen fort, der sich entscheiden muss, ob er in unserer Welt ein normaler Mensch bleibt oder durch den Spiegel in eine Fantasy-Parallel-Welt übertritt, in der er der Auserwählte ist. Das Aufgreifen eines bereits bewährten Albumkonzepts: für viele Fans wie Weihnachten, für viele Bands ein Mittel, um auch bei längst verlorenen alten Fans wieder in den Fokus zu rücken. Die Erfolgsformel ist bekannt: Man denke nur mal an HELLOWEENs drittes "Keeper Of The Seven Keys"-Album im Jahr 2005, GAMMA RAYs zweiten Teil von "Land Of The Free" oder GRAVE DIGGERs "The Clans Will Rise Again". Aber bei all dem geschäftlichen Kalkül, das BLIND GUARDIAN mit "Beyond The Red Mirror" an den Tag legen, zählt letztlich nur, was auf CD gepresst wurde. Das ist wie von den Vieren gewohnt wieder einmal extrem opulent und eine Schlacht an Aufnahmespuren. Bis auf die früher häufig verwendeten Folk-Einflüsse sind alle Trademarks, allen voran Hansi Kürschs variabler, emotionaler Gesang ("Miracle Machine" und die zweistimmigen Gitarren-Läufe von André Olbrich und Marcus Siepen, mit an Bord. So richtig warm werde ich mit "Beyond The Red Mirror" aber auch nach mehreren Durchläufen nicht. Sicher, es ist das vermutlich stärkste BLIND GUARDIAN-Album seit dem eh unübertreffbaren "Nightfall In Middle-Earth" von 1998, aber es scheint, die Krefelder haben ihr Gespür für mitreißende Hooks und Refrains seitdem völlig verloren. Einzige Ausnahme davon ist "Twilight Of The Gods". Offenbar zählt nur noch, möglichst viele unterschiedliche Teile aneinander zu reihen, um zu zeigen, was man so drauf hat und dass man sogar etwas von Klassik versteht. Die Folge sind Songs, die in sich nicht rund, ziellos und völlig überfrachtet klingen. Sie sind die Opfer von BLIND GUARDIANs eigenem (zu) hohen Anspruch an sich selbst. 5 Cola-Biere (auch Krefelder genannt) für das unbestreitbar großartige Handwerk. Dr. Haag
Ja, ich weiß, ich misch' mich mal wieder ein... doch auch wenn ich meinem geschätzten Kollegen in vielen Punkten zustimme, finde ich, das BLIND GUARDIAN nach einigen Irrgängen im proggigen Opus-Labyrinth, wieder den Ausgang gefunden und ihre alten Stärken zusammengetragen haben. Mit hochwertigster Instrumentierung knallen dem Fan wieder wesentlich eingängigere Werke entgegen... und dass sich die Melodien nicht leicht (bis gar nicht) abspeichern lassen, halte ich für einen Schnellschuss, denn BLIND GUARDIAN waren schon ab "Tales From The Twilight World" keine Band mehr, deren Songs beim ersten Durchlauf gezündet hätten. Ein bisschen Zeit muss man den Stücken schon geben... und weil ich das getan habe, hat die Platte bei mir viel Freude entf8! Max
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