EUROPE
Original Album Classics
EUROPE werden ja durchaus gerne mal belächelt. Zu sehr reduziert man die 1979 noch unter dem Namen FORCE gestarteten Schweden auf ihren Millionen-Hit "The Final Countdown" und die knalligen Synthie-Sounds, die in den Achtzigern die Blaupause für eine gelungene Melange aus Hard Rock und Pop darstellten. Aber die Mannen um Frontmann Joey Tempest hatten und haben ein weitaus breiteres Spektrum, wie dieses Set aus ihren ersten fünf Alben zeigt.
Europe
Ein Jahr nach ihrer Umbenennung von FORCE zu EUROPE präsentierte die damals noch als Quartett aktive Band auf ihrem Erstling Hard Rock der reinsten Schule. Die Einflüsse von RAINBOW, DEEP PURPLE und DIO sind auf dem 1983er Debüt "Europe" zu keiner Minute zu überhören und alles klingt weitaus räudiger und dreckiger als auf späteren Releases. Das liegt auch an den noch gänzlich fehlenden Keyboards und an Sänger Joey Tempest, den "The Final Countdown"-Jünger kaum erkennen dürften.
Wings Of Tomorrow
Das Zweitwerk "Wings Of Tomorrow" zeigte dann schon deutlicher auf, wohin die Reise gehen würde. Mit Mic Michaeli wurde ein fester Keyboarder verpflichtet und Joey Tempest nahm innerhalb kürzester Zeit - "Wings Of Tomorrow" erschien nur ein Jahr nach "Europe" - eine unglaubliche gesangliche Entwicklung.
The Final Countdown
"Make it or break it" - die Faustregel für das dritte Album einer Band bekommt bei EUROPE eine völlig andere Bedeutung. Sie brachen... und zwar alle Rekorde! Auf "The Final Countdown" aus dem Jahr 1986 thront der Titel- und Eröffnungssong natürlich über allem, aber im Grunde ist auf diesem Album jeder Song eine Hit-Single oder hätte zumindest das Potenzial dazu. "Rock The Night", "Cherokee", "Danger On The Track" - kaum eine Party kam ohne diese Songs aus und wenn man dort dann die Dame seines Herzens endlich überzeugen wollte, besorgte die Schmacht-Ballade "Carrie" den Rest - obwohl der Text nicht wirklich als Liebeserklärung durchgeht...
Out Of This World
EUROPE waren im Olymp angekommen oder, wie sie es nannten, "Out Of This World". Sie machten nicht den Fehler, jetzt alles über den Haufen zu werfen, sondern kochten das Erfolgsrezept von "The Final Countdown" weiter. Der Lohn waren wieder zig Chart-Platzierungen, Gold- und Platin-Scheiben, wenn auch etwas weniger als noch zwei Jahre zuvor. Bekanntester Song des Albums ist vermutlich der Opener "Superstitious", dicht gefolgt von "Let The Good Times Rock" und der Ballade "Open Your Heart".
Prisoners In Paradise
War der Titel "Prisoners In Paradise" schon als Andeutung dessen gedacht, was zwei Jahre später mit der zwischenzeitlichen Auflösung von EUROPE im Jahr 1993 folgte? Fühlten sich die Schweden wie im goldenen Käfig? Fakt ist, dass die Verkäufe zurückgingen und dass sich die Hard Rock-Fans der ersten Jahre abwandten. Sie waren eine Pop-Band ("I´ll Cry For You", "Halfway To Heaven") geworden und mussten zusehen, die wankelmütigeren Teenies zu bedienen, die immer nur auf den nächsten Trend zu warten schienen. EUROPE waren Gefangene im Paradies der oberen Chart-Regionen, aber "still far from heaven´s door" - der künstlerischen Freiheit. Diese nahmen sich die Schweden seit ihrer endgültigen Reunion im Jahr 2004 mit wieder weitaus Hard Rock- und Blues-lastigeren Alben.
Die "Original Album Classics" sind die perfekte und preisgünstige Gelegenheit, dem Phänomen EUROPE auf die Spur zu gehen. Wie immer bei diesen Sets in vergleichsweise schmuckloser Verpackung, aber wen juckt das, wenn doch eh die Musik alles ist, was zählt?
Dr. Haag
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