PRONG
Songs From the Black Hole
Zwei vollwertige PRONG-Alben innerhalb von zwei Jahren? Sollte Tommy Victor in einen Kreativitäts-Zaubertrank gefallen sein und die Fans für die früher obligatorischen langen Pausen entschädigen wollen? Nun, nur bedingt, denn bei "Songs From The Black Hole" handelt es sich um ein Cover-Album und keine Fortsetzung des 2014er Krachers "Ruining Lives". PRONG haben sich dafür aber nicht irgendwelche Gassenhauer ausgesucht, sondern lassen den Hörer in ihre Vergangenheit eintauchen und legen ihre Wurzeln offen. Und die stecken tief im Punk/Hardcore und Alternative-Sektor. Dabei stehen THE SISTERS OF MERCY ("Vision Thing") neben BLACK FLAG ("Bars"), den BAD BRAINS ("Banned In D.C."), DISCHARGE ("Doomsday"), KILLING JOKE ("Seeing Red") oder FUGAZI ("Give Me The Cure"). Aus dem Rahmen fällt eigentlich nur NEIL YOUNGs "Cortez The Killer", welches auch meines Erachtens die schwächste Neuinterpretation ist. Tommy Victors Industrial-Vergangenheit - er war ja jahrelang auch Gitarrist bei MINISTRY - spielt auf "Songs From The Black Hole" keine Rolle. Der Dreizack, vor allem Tommys Organ, klingt hier mehr nach DANKO JONES als nach PRONG. Was ja nicht verkehrt ist, wenn man nicht PRONG hören wollen würde. Was mir fehlt, ist der - abgesehen von der Auswahl des einen oder andern Songs - Aha-Effekt. Keine der Versionen reißt mich so wirklich vom Hocker, was daran liegt, dass PRONG ihnen nie wirklich ihren ureigenen Stempel aufdrücken. Nicht Fisch, nicht Fleisch - daher nur 5 Gabelzinken.
Dr. Haag
H|T|M Printausgaben