RED

Of Beauty And Rage

Vergiss Robert Pattinson, vergiss Ian Somerhalder. Wenn jemand Vampirdarsteller sein sollte, dann sind das Michael Barnes und die Armstrong Brüder von RED. Das Trio schaut auf den Bandbildern immer so verdammt cool und verwegen aus, dass mir schon beim Opener "Descent" des neuen Albums "Of Beauty And Rage" (sic!) sämtliche Drehbuchideen vorschweben.

Das erste Lied kommt nur mit Streichern und ganz ohne Text aus und geht flüssig in den zweiten Song "Impostor" über, welcher vielversprechend mit ordentlich Karacho beginnt. Kraftvolle Riffs werden durch erste Gehversuche mit im Computer gebackenen Sounds leider etwas irritierend in den Hintergrund gedrängt. Da muss man sich vielleicht dran gewöhnen, also mal sehen ob "Shadow And Soul" auch so eifrig (über)produziert wurde. Nach den ersten Akkorden denkt man, das wird laut. Nach zwölf Sekunden zieht Barnes jedoch die Töne der Strophe so lang wie MUSE in "Time Is Running Out"... Gut, kann man machen, aber der überladene Refrain, dem man kaum die Einzelteile entnehmen kann, steht der Strophe grotesk gegenüber. "Darkest Part" ist dann endlich wieder klarer und bescheidener, das erinnert wieder mehr an die alten LPs (freilich ohne an "End Of Silence (2006) ranzukommen, Fans können so grausam sein!). Nach drei weiteren Liedern läutet "The Forest", ein kleines Streicher-Piano Intermezzo, die zweite und bessere Hälfte von "Of Beauty And Rage" ein. So ist "What You Keep Alive" für die härtere Hälfte der Fans gemacht und treibt mit einer guten Dynamik, Shouts und Gitarrenturbos ordentlich an. "Gravity Lies" ist genauso flott und man freut sich schon auf zwei krasse Songs hintereinander, als die Jungs doch tatsächlich nach ein paar Minuten wieder total zurückschalten um schon wieder (!) ein paar Saiten zu streiche(l)n statt zu schrammeln. Zum verrückt werden! Auch dass der Song dann erneut schneller wird hilft da nicht mehr, die Pause war zu lange. "Take Me Over" folgt bedeutungslos, aber dann beginnt "The Ever" und überzeugt wieder mit RED-typischer Stärke ganz nach dem Motto: Ungezwungen, gut gesungen. Der Song führt locker leicht zu "Part That's Holding On" hin, das noch ein bisschen besser ist. Der Vier Minuten-Closer "Ascent" beinhaltet wie "Descent" wieder die exakt gleichen düsteren Streicher und nach gut dreieinhalb Minuten Warten auf Godot, merke auch ich, da kommt nichts mehr. Schade. Als Opener gut, als Wiederholung am Ende überflüssig.

"Of Beauty And Rage" besticht durch die härteren Elemente, die ruhig öfter eingesetzt werden könnten. Aber trotz der recht ordentlichen Dosis Rage, kommt die Menge an Beauty die hier in Form von Streichern verabreicht wird beinahe einer Überdosis gleich. 6,5 rote Pillen für dieses Doppelpräparat.

Inka

 

 

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