THE HIRSCH EFFEKT
Holon:Agnosie
Holon bedeutet ein in sich geschlossenes Ganzes, das Teil eines größeren Ganzen ist. Schon wie die beiden Vorgänger ist die dritte Platte von THE HIRSCH EFFEKT so ein in sich geschlossenes Ganzes, gleichzeitig schließt es die Themen der anderen zwei Alben ab. Puh, okay. Gut zu wissen. Denn wenn man "Holon:Agnosie" ins CD-Fach legt, weiß man nach dem zweiten Song schon wieder nicht mehr, wie einem geschieht. Auf das bläseruntermalte leichte Intro "Simurgh" mit der butterweichen Stimme von Nils Wittrock und einem gefühlvollen Guitarpicking, folgt das wunderbar laute, apokalyptische "Jayus", vor dessen Tempo man nur den Hut ziehen kann. Die Verschmelzung verschiedenster scheinbar antagonistischer Musikstile findet bei "Agnosie" innerhalb des Liedes statt und erstaunt mit einer Homogenität, die man neidlos anerkennen muss.
Für das Prädikat "homogen" für solche Musik, hätte man Kritiker noch vor ein paar Jahren für verrückt erklärt. Aber THE HIRSCH EFFEKT ist seit dem ersten Longplayer "Holon:Hiberno" eine Offenbarung des Innersten. Unser aller Innerstes. Gut, dass es einen Begriff für diese Genrevermählung gibt: Artcore. Wer mit diesem Begriff nichts anfangen kann, nennt die Musik von THE HIRSCH EFFEKT Alternative (naja halt anders) oder Experimental (Der Mix aus dem Mix). Aber einmal alles in den Topf und kräftig umrühren ist nicht! Das Hannoveraner Trio wiegt die Zutaten ihres Rezeptes genau ab und verrät dabei nicht warum es so außergewöhnlich schmeckt. "Bezoar" gibt zum Beispiel das Gefühl, dass sich einem der Magen umdreht und gleichzeitig Schmetterlinge darin fliegen. Wie geht das? Die innere Leere, die Ziellosigkeit, die "Holon:Agnosie" vertont, wird in verschieden Varianten ausgesprochen. Auf "Tombeau" mal ganz leise und fast schon "normal", auf "Dysgeusie" wieder so wild, wie es nur die innerste Seele aussprechen würde, wenn sie könnte. Die "angepisste Grundstimmung", die laut Band dieses Album beherrscht, wird variabel ausgedrückt. Eine Emo-Platte klingt dagegen viel zu flach, gibt es doch so viele Möglichkeiten, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Die Längen der Lieder variieren zwischen einer halben und neun Minuten, das Orchestrale ist diesmal nicht so häufig eingesetzt wie auf der letzten Platte. Mal klingen THE HIRSCH EFFEKT ein bisschen wie ELEMENT OF CRIME ([Defeatist]), mal wie eine Upspeed-Version einer Metalband... Sick? Genial. Aber irgendwie auch sick. 8ung, abgefahren, die Dritte!
Inka
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