TOTO
XIV
Eine Legende - das ist bei TOTO wohl keine Übertreibung. Mit Songs für die Ewigkeit, man denke an "Africa", "Hold The Line" oder "Rosanna", verkauften die Amerikaner gut 35 Millionen Longplayer. Nachdem 2008 die Auflösung von TOTO verkündet wurde, sprach zunächst niemand mehr von einem Nachfolger des 2006er "Falling In Between", bis Gitarrist Steve Lukather und Keyboarder David Paich Ende 2013 via Facebook Arbeiten an einem neuen Werk bekannt gaben.
Nun dreht sich "XIV" in meinem Player und ich bin mir nicht ganz sicher, ob mich irgendeine Zeitmaschine gerade in die Siebziger oder Achtziger gebeamt hat. "XIV" ist von starken Melodien geprägter klassischer Rock aus ebendieser Epoche. So entstammt beispielsweise das groovende "Chinatown" Lukathers Entwürfen aus 1977, die Paich nun fertigstellte. Für "Great Expectations" teilt sich Lead Sänger Joseph Williams das Mikro mit Lukather und Keyboard-Kollege Steve Porcaro - gepaart mit seinen Tempi-Variationen kann man den Song fast in die Prog-Schublade stecken. Bei "21st Century Blues" ist der Name Programm: neben David Hungates Bass-Spiel geben Saxophon-Klänge dem Song eine deutlich jazzig / bluesige Note. Mein Favorit ist die Singleauskopplung "Orphan", die nach besinnlichem Intro förmlich explodiert und mich auch Dank Keith Carlocks beherztem Drumming zum beschwingten Mitwippen anregt.
Die Produktion von TOTO selbst und CJ Vanston bewegt sich in der Speerspitze des Rocksektors. Ja, bis zu 180 Spuren für einen Song zu verwenden, spricht für sich. Weiterhin wurden Demos von damals verarbeitet, die das Gefühl jener Zeit sehr authentisch wiedergeben, sozusagen die "Magie aus dem Probenraum" transportieren, wie es Lukather im Rock It! Interview formulierte. Der leider kürzlich seiner ALS-Erkrankung erlegene Mike Porcano bezeichnet "XIV" als das bislang stärkste Studioalbum. Dem kann ich nach mehrmaligem Hören nicht widersprechen und warte ab, ob es wieder 9 Jahre dauert, bis ein neues Meisterwerk erscheint.
Iris
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